6 - 4 Monate vor der Abreise

> Impfdschungel oder Impfen für den Dschungel <

 

Der Start rückt immer näher und unsere Checkliste wird immer länger, obwohl wir in den letzten Tagen viel abarbeiten konnten. Wir ließen Passfotos anfertigen, beantragten für jeden einen zweiten Reisepass, kündigten die Tanzschule, machten Termine für die Vorsorgeuntersuchungen der Kinder und einen Zahnarztbesuch für jeden, kündigten die Kindergartenplätze, suchten eine neue Kita für "danach", buchten eine Unterkunft in Moskau für die ersten Nächte, schickten den Betreuungsgeldantrag für Willi raus, fanden ein Möbellager für unseren kompletten Hausrat UND wir haben die ersten 10 Kisten gepackt - nur war in den Schränken zu unserem Bedauern kein Unterschied zu vorher zu erkennen.

 

Unsere Magnettafel wurde nun zusätzlich noch mit den wichtigsten Terminen der nächsten Tage versehen. Etwas mulmig wurde uns, als wir den Punkt "Wohnung kündigen", abhakten. 

Auch Fine bezogen wir aktiv in unsere Planung mit ein. Sie stellte unglaublich viele Fragen und so gingen wir in Gedanken mit unserem kleinen Globus schon mal um die Welt. Wir schauten uns Fotos von früheren Reisen an, erinnerten uns an lustige  und spannende Erlebnisse und thematisierten so ziemlich alles, was uns in den Sinn kam. Auch die unangenehmen Seiten einer so langen Reise gehören dazu. Wir verschweigen nicht, dass sie ihre Freunde, Omas und Opas eine lange Zeit nicht sehen wird. Sie weiß, dass sie nicht mehr in ihren Kindergarten zurückkehren kann und dass sie noch die ein oder andere Impfung tapfer aushalten muss. Das sind unglaublich viele Informationen für eine Fünfjährige, die sicherlich nicht einfach zu verarbeiten sind. Daher versuchen wir, es ihr so bildlich wie möglich darzustellen. Gemeinsam bastelten wir eine Jahresuhr, bei der Fine jeden Tag den Zeiger weiterstellen kann und eine genaue Vorstellung davon bekommt, wann sie ihren Rucksack packen kann. 

Uns stehen noch so einige Impfungen bevor und die Kinder können natürlich gar nicht verstehen, was denn so wichtig daran ist, sich pieksen zu lassen. Deshalb haben wir gemeinsam einen Impfplan gebastelt. Aus verschiedenen Zeitungen haben wir Bilder ausgeschnitten, aufgeklebt und dann besprochen, was an den Krankheiten so gefährlich ist. Fine malte danach für jede notwendige Spritze einen Punkt dazu. 

Das Thema "Impfungen" ist aber nicht nur für Kinder schwer zu verstehen. Wir Erwachsene haben es uns mit dieser Entscheidung nicht einfach gemacht. Viele Abende diskutierten wir, welche Impfung nun wichtig und richtig ist. Wir sind generell keine Impfgegner und haben alle vier eine gute Grundimmunisierung. Beruflich bedingt sind wir "Großen" mit allem ausgestattet, was es so impftechnisch auf dem Markt gibt. Fine hat durch vergangene Reisen bereits gute Ausgangs-bedingungen. Eine Beratung in der Globetrotter Reisepraxis ergab, dass Tollwut, Typhus und Japanische Enzephalitis wichtig sind. Zusätzlich ließen wir uns noch von der Reiseimpfstelle des Gesundheitsamtes beraten. Das war uns wichtig, da diese Beratung durch einen Kinderarzt durchgeführt wird - sie war viel ausführlicher und auf die Bedürfnisse unserer Kinder optimiert. Hier kamen noch FSME, Meningokokken ACWY und Cholera dazu. Allerdings gab es unterschiedliche Meinungen zu den Impfungen für Willi. Einer wollte die Typhusspritze geben, der andere nicht. UND zu allen Impfempfehlungen hieß es: "Sie entscheiden, ob sie es für notwendig halten." Na toll, jetzt sind wir richtig durcheinander. Welche Impfungen sind denn nun sinnvoll? Wir haben einen ganzen Tag damit verbracht alle möglichen Tropeninstitute und Ärzte anzurufen und auf DIE richtige Antwort gehofft. Am Ende lassen wir es auf uns zukommen. Ende März haben wir unseren ersten Impftermin. 

 

Fazit: So richtig schlau sind wir aus den ganzen Beratungen der verschiedenen Reiseimpfstellen nicht geworden. Das Chaos ist eigentlich perfekt. Zumindest im Kopf. Wir können aber immer mehr Punkte abhaken - das ist ein herrliches Gefühl und beruhigt. Die Reisepässe sind endlich fertig und auch schon abgeholt. Wir wollen vor der Abreise noch viele Freunde treffen, aber die Zeit rennt und die Wochenenden sind vollgestopft.