10 - 8 Monate vor der Abreise

> Chaos im Kopf <

 

Wir wollten keine Strecke vorher festlegen - dieses Vorhaben scheitert schon an unserem ersten Reiseland. Quer durch Russland soll es mit der Transsibirischen Eisenbahn gehen - einfach dort aussteigen, wo es uns gefällt - die nächste Fahrkarte kurzfristig am Schalter kaufen - bis wir irgendwann in der Mongolei landen. So jedenfalls die Theorie. Die Praxis ist etwas komplizierter. Die Transib ist im Sommer immer so gut wie ausgebucht. Ein gemeinsames Viererabteil zu bekommen, fast unmöglich. Das Visum ist teurer als gedacht (ca. 680 Euro für alle) und vor allem unglaublich umfangreich. Wir werden wohl eine Visa-Agentur beauftragen und die komplette Strecke von Moskau bis in die Mongolei mit geplanten Zwischenstopps im Voraus buchen. Dieses Thema wird auf die nächtliche Internetrecherche verlegt und die übrige freie Zeit verbringen wir mit Listen. Mit vielen, vielen Listen. Da gibt es zum Beispiel eine Finanz-Liste, eine Impfungen-Liste, eine Was-verkaufen-wir-Liste, eine Ummeldungen-Liste...., Versicherungen, Wohnung, Kita, Reiseländer, mögliche Strecken, Gefahren und so weiter. Nach und nach tun sich immer mehr Fragen auf. Kündigen wir unsere Wohnung? Welche Versicherungen behalten wir? Welche Versicherungen benötigen wir zusätzlich? Bleiben die Kinder in der Kita angemeldet? Was passiert mit den Autos? Melden wir uns in Deutschland ab? Wohin mit unseren Möbeln? Wer kümmert sich in Deutschland, wenn es Probleme unterwegs gibt? 

Unsere Listen werden immer unübersichtlicher. Aber das ist ok. Wir sammeln erstmal alles was uns beschäftigt. Nach und nach nimmt alles Struktur an. Aus vielen Listen wir eine Checkliste, die bequem erweiterbar ist und vor allem übersichtlich. Ein Blick genügt und wir wissen, welche Baustelle wir als nächstes angehen müssen, um am Ende (hoffentlich) entspannt abreisen zu können.

Wir haben also unsere Grundlage geschaffen. Nun beginnt das große Rechnen und nächtelanges Recherchieren folgt. Von früheren Reisen wissen wir, mit welchen Kosten wir unterwegs etwa rechnen müssen. Wir wollen versuchen, mit durchschnittlich 1.800 € im Monat auszukommen. Ob uns das gelingt, erfahrt ihr in unseren Reiseberichten und nach Rückkehr in einer vollständigen Weltreise-Kosten-Tabelle. Wir gehen vom jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass wir unsere Kosten in Deutschland fast auf Null setzen können. Verkehrsrechtschutz, Vereinsmitgliedschaften, Zeitschriftenabos, doppelte Haftpflichtversicherungen, diverse Spenden und einen Handyvertrag haben wir schon mal gekündigt. Und ganz wichtig: langsam aber sicher alle Newsletter abmelden, 300 Mails nach einem Monat offline wollen wir vermeiden.

 

Ab jetzt heißt es auch: mit offen Augen einkaufen gehen, lieber Netto als Edeka, neue Klamotten gibt es nur für die Kinder, der Schuhschrank muss vor der Weltreise nicht mehr gefüttert werden, Urlaub ist gestrichen, kein neues Spielzeug mehr zwischendurch, der ganze Schnickschnak fällt weg und Amazon und Ebay sind tabu.

 

Neben Sparen, Sparen, Sparen müssen wir aber leider schon 9 Monate vor dem Start viel Geld ausgeben.

Wir haben den 16.09.2015 - unser Startschuss für die Weltreise. Die erste Buchung. Unsere Freude ist groß. Wir müssen aber feststellen, dass die beiden Aussagen: "Wir machen auf jeden Fall eine Weltreise." und "Wir haben die ersten Tickets gebucht. Am 29.06.2015 geht´s los." unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Nach dem ersten Satz träumten viele gern mit uns, waren grundsätzlich von der Idee begeistert. Doch bei der zweiten Aussage hörten wir regelrecht bei einigen den dicken Kloß im Hals.

 

Die Fahrkarten für die Transsibirische Eisenbahn (2. Klasse Vierbettabteil, alte Züge) von Moskau nach Ulaanbaatar, mit Zwischenstopp am Baikalsee, haben uns knapp 2.200 Euro gekostet (inklusive hohe russische Steuern). Im Gegensatz zur teuren Eisenbahn (ok, sie fährt ja auch immerhin 6.266 km) bekommen wir einen Flug von Berlin nach Moskau für 212 Euro (4 Personen, inklusive Steuern und Gepäck). Ja ich weiß, wir wollten nicht fliegen. Aber eine Bahnreise von Deutschland nach Moskau hätte das Fünffache gekostet, mal ganz abgesehen davon, dass wir noch Visa für Weißrussland gebraucht hätten. Wir haben auch die Fährverbindungen ausgekundschaftet, aber die Preise waren jenseits von Gut und Böse.

 

Fazit: Eine Weltreise zu planen wirft ungeahnte Fragen auf. Und wir sind gerade mal am Anfang.