trotz tausender touristen - allein                                  26 FEB 2016

Die wohl aufregendste Sackgasse der Welt: Sie führt durch den 1,2 Millionen Hektar umfassenden Fiordland Nationalpark mit 182 Regentagen im Jahr und einer Durchschnittstemperatur von 18°C im Hochsommer. 120 Kilometer schlängelt sie sich abwechselnd durch Grasebenen, Südbuchenwälder und steiles, dicht bewaldetes Bergland. Der süßlich-moderige Duft des Regenwaldes dringt durch das offene Fenster, während sich die ersten Sonnenstrahlen der frühen Morgenstunden durch den gespenstischen Nebel kämpfen. Zirkadenkreischen wird immer öfter durch wundervollen Vogelgesang dominiert und gemeinsam geben sie ein berauschendes Konzert. Die ersten Eisspitzen der zackigen Gebirgszüge färben sich rötlich und unsere Blicke wandern mit dem dampfenden Schwaden aus den Tälern über diese bezaubernde Märchenwelt. Willi und Fine schlummern noch tief und fest, während wir uns mit unserem Campervan dem nördlichsten der 14 Fjorde, dem Milford Sound, nähern. Immer wieder begleiten uns rauschende Bäche und mächtige Wasserfälle donnern die steilen Hänge hinab in den Urwald. Nur zwei, drei Verfolger, die auch diese magische Stille genießen möchten kreuzen kurz unseren Weg. Wir lassen sie vorbeifahren und haben alles wieder ganz für uns allein – diese majestätischen Berge mit ihren Gletschern, den dichten bemoosten Regenwald, die sich windende Straße, die Naturkonzerte und diese wunderbare klare Luft.

Früh um sechs Uhr schlafen sie noch - die Touristenmassen. Oder sie drängen sich bereits vor ihren Unterkünften in die Kolonnen von Bussen, von denen spätestens um 10 Uhr auch der letzte am Milford Sound angekommen ist. Tausende von ihnen erreichen täglich dieses wundervolle UNESCO Weltnaturerbe. Die Tour-Busse fahren von allen größeren Orten ab und nehmen Kurs durch die wohl aufregendste Sackgasse der Welt.

Währenddessen genossen wir vor Ort einen traumhaften Sonnenaufgang und eine friedliche und magische Stille am Ufer. Langschläfer können direkt an Neuseelands Hauptattraktion einen Schlafplatz finden (bitte nicht im überteuerten und übervollen Campingresort), sondern einfach bis 20 Uhr warten, sich auf den Nachtparkplatz direkt am Ufer stellen, 20$ pro Auto an den netten DOC-Mitarbeiter zahlen und eine ruhige Nacht verbringen. Schöner ist es allerdings, am letzten „wilden“ Campground vor dem Milford Sound zu bleiben, durch den Märchenwald spazieren und ein erfrischendes Bad im kristallklaren Fluss zu nehmen, welcher direkt am Campervan vorbeirauscht. Und dann – die beschriebene morgendliche einstündige Fahrt zum Tagesziel genießen. 

 

Ohne Trubel und ganz entspannt glitt das erste Schiff des Tages (mit uns) durch den verschlafenen Milford Sound am Morgen. Die Nebel lichteten sich und überließen der Sonne die Farbgestaltung. Es war ein herrlicher sonniger Tag. Das Wetter ist hier allerdings Glückssache, es kann sich binnen Minuten ändern. Wir hatten großes Glück.

 

Auch auf dem Land, am Ufer, fanden wir immer wieder einsame Stellen zum Spielen und genießen, inklusive atemberaubenden Blick auf den Sound. Viele Besucher kennen nur den Weg vom Parkplatz zum Schiff. Hin und wieder wagen sie einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang. Wir gingen einfach ein Stück weiter, abseits der Wege - und wir waren allein. Allein in der wohl schönsten Sackgasse der Welt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Oma Mone (Samstag, 27 Februar 2016 15:33)

    Wirklich traumhaft die Landschaften ,die Bilder wieder super! So sollte es sein,daß Ihr für den Superstress zu Beginn mit Ruhe,Entspannung und traumhafter Umgebung nun belohnt werdet !! Noch tolle Erlebnisse und bleibt gesund! Ich drücke Euch !