wunderschöne  grausame  wildnis                                  16 DEZ 2015

Coral Bay - Exmouth - Cape Range Nationalpark - Karijini Nationalpark - Port Hedland

Stopp. Hier stimmt was nicht. Es bewegt sich. Alles. Unser Zelt wandert. Oder besser gesagt, der Zeltinnenboden scheint zu schaukeln. Was ist hier nur los und warum ist alles so schwarz? Unsere Matratzen, die Schlafsäcke, die Kisten und Taschen, unsere Klamotten, …

 

 

Gut gelaunt kamen wir von unserem Tagesausflug auf den Zeltplatz zurück, freuten uns auf eine Erfrischung im Pool und Mirko endlich auf seinen langersehnten Physiotherapie-Termin. Doch was uns im Zelt erwartete, ist fast unmöglich zu beschreiben, geschweige denn euch die Gefühle näherzubringen, die uns bei diesem Anblick überkamen. Wir standen mitten in einer Ameisenkolonie. Millionen von winzigen Mini-Ameisen (Singapur Ants) bevölkerten während unserer Abwesenheit unser Zuhause auf Zeit. Sie waren einfach überall. Der Boden bewegte sich. In verschiedenen Gruppen belagerten sie zu Hundert unsere Habseligkeiten, und das nicht nur von außen. Beutel, Kisten, Schlafsäcke, Klamotten, Bücher, geschlossene Lebensmittel, Kosmetik, Geschirr, Spielzeug, Technik…. Sie nahmen sich alles, kamen durch scheinbar geschlossene Lücken. Selbst in noch original verpackte Nudeltüten krabbelten sie zu tausend und gaben den Spirellis einen neuen Look. Was sind das für Biester? Wir hatten doch extra alles Wichtige ordentlich verpackt und Lebensmittel in verschlossene Tüten getan.

 

Wir mussten nicht lange nach einer Antwort suchen. Hilfsbereite Australier, unsere Zeltnachbarn rings um uns, waren sofort zu Stelle. Die Singapur Ants breiten sich seit 7 Jahren vom Norden der Westküste nach Süden aus. Zurzeit sind sie schon bis Coral Bay vorgestoßen. Die Anwohner leiden unter dieser aggressiven Art, die sich durch Stoff und Plastik frisst. Selbst vor Autos machen sie nicht Halt und knabbern an der Elektrik, bis die Autos lahmgelegt sind. Jetzt erklärt sich uns auch, warum die Leute hier ihre Autoreifen mit Gift einsprühen und es in den Supermärkten hier unzählige Sprays und Pulver gegen Ameisen gibt. Jane erzählt uns, dass sie morgens in ihre Küche kam und Tausende von ihnen ihren Wasserkocher besetzten. Sie sagt, es gibt kein Mittel gegen diese Ameisen. Würden sie professionell großflächig Gift einsetzen, dann sterben aber auch alle anderen Tiere und das will niemand. Holt sich die Natur ihren Lebensraum zurück?

 

Für uns hieß es nun: Zelt ausräumen, Stück für Stück, Sock für Socke, Nudel für Nudel und von Ameisen befreien, um dann jedes einzelne Teil im Auto zwischenzulagern. Keine leichte Aufgabe. Sobald wir das Zelt betraten, betraten die Ameisen uns. Da half aber auch kein Heulen und Fluchen. Augen zu und einfach machen. Stück für Stück. Dazu muss man noch sagen, dass Mirko sich während dieser Zeit bei der Massage in der notwendigen Physiotherapie befand, Fine irgendwo spielte und Willi heulend/kreischend vor dem Zelt stand, weil niemand mit ihm spielte. Ach ja, und Anja säuberte mit Verzweiflungstränen Zelt und Habseligkeiten.

Es dämmerte als Mirko am Zelt ankam. Willi hatte aufgegeben zu schreien und Fine half die letzten Klamotten auszuschütteln. Wir sprühten noch von innen und außen, ließen alles durchlüften, fegten die toten Mikro-Ameisen aus dem Zelt und machten dann etwas, was wir in Australien noch nie gemacht haben (weil sehr teuer).

Wir gingen ins nächste Restaurant (ein waschechter Italiener), bestellten drei riesige Pizzen und jede Menge Wein. Wir wischten die Tränen weg und blieben lange sitzen, bis es uns wieder „gut“ ging.

 

Grundsätzlich sind wir in Australien auf viele kleine und große unbekannte Tierchen vorbereitet, doch die Begegnungen sind trotzdem etwas „Besonderes“. Gegen die Ameisen in unserem Zelt hatten wir von diesem Moment an immer einige Sprayflaschen im Auto.

Unser Weg von Coral Bay in den Cape Range Nationalpark wurde von Traumstränden und atemberaubenden Riffen gesäumt. Man sagt sich, dass ein Riff im Cape Range Nationalpark schöner sein soll, als das Great Barrier Reef. Und ja, das „Oyster Stacks“ ist der absolute Wahnsinn. Wir kletterten über die felsige Küste ins Wasser und sahen schon beim Einstieg unzählige bunte Fische, Oktopusse, Seesterne und bunte Korallen – alles so wunderbar erhalten. 2 km weiter die Küste hoch folgten dann auch die ersehnten Riffhaie und Schildkröten, welche sich durch einen Schnorchler nicht beunruhigen ließen. 

Nach 10 Tagen Küste und Strand zog es uns wieder Richtung Outback, in die Berge und Schluchten des Karijini Nationalparks. Schon der Weg dorthin übertraf mit seiner großartigen Natur alle anderen Nationalparks, die wir bisher gesehen hatten. Wir verbrachten eine Nacht auf einer Farm und erlebten am frühen Morgen die Eintreibung und Verladung von hunderten Rindern auf zwei dieser riesigen über 50m langen Roadtrains. Aufgrund der starken Hitze tagsüber (damals bis 48 Grad) beschränkten wir uns auf die schattigen Wanderwege. Wir fanden versteckte Wasserfälle und magische Plätze zum Baden. 

 

Weiter Richtung Norden wurde das Klima unerträglich, die Luftfeuchtigkeit nahm tropische Ausmaße an und heftige Gewitterstürme wüteten übers Land. Wir ergriffen die Flucht ins westliche Inland und nahmen Kurs auf die alten und aktuellen Goldgräberstädte, die uns vom ersten Moment an ins Jahr 1890 beförderten…


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Kommentare: 1
  • #1

    Jens und Juli (Donnerstag, 07 Januar 2016 23:37)

    Hallo Ihr Lieben, erst einmal gesundes neues Jahr aus Leipzig! Wie immer tolle Gesichten, danke dafür! Ihr habt zwei wundervolle Kinder, die wirklich alles mitmachen!
    @Mirko: gab es die Möglichkeit vor Ort zu tauchen?

    LG Juli&Jens