im wilden westen                                                                          07 Dez 2015

Lancelin - Geraldton - Kalbarri - Monkey Mia - Mt. Augustus - Kennedy Range NP - Canarvon

Immer wieder schüttelt er den Kopf und kann es kaum glauben: „Was treibt euch hier her? Außerhalb der Saison. Es ist so heiß. Wenn ihr nochmal so ein Pech mit dem Auto habt, könnt ihr tagelang auf Hilfe warten.“ Bill hat kein gutes Gefühl dabei, uns weiter fahren zu lassen. Und tatsächlich sind wir auf unserem Weg ins Outback in den letzten 6 Stunden niemanden begegnet, außer Kängurus, Echsen und Adlern. 

Das Gefühl von Freiheit ist hier wirklich grenzenlos. Während der rote Sand Australiens hinter uns riesige Staubwolken hinterlässt, erstreckt sich vor uns Buschland und Wüste bis zum Horizont. Dennoch ist die Landschaft abwechslungsreich. Mal tauchen mannshohe Termitenhügel auf - Adler ziehen ihre Kreise - von links und rechts schießen plötzlich Kängurus mit weiten Sprüngen über den Weg - dann tauchen wie aus dem Nichts herrliche Bergmassive auf und verschwinden wieder – riesige Kühe und Bullen grasen unter schattenspendenden Bäumen – immer wieder fahren wir durch ausgetrocknete Flussbetten (Skalensäulen von 20cm bis 2m lassen ahnen, wie es hier wohl zur nassen Jahreszeit aussieht) – und zu guter Letzt wechseln sich rote Staubpisten mit steinigen Fahrspuren ab – UND – ein lauter Knall durchbricht unseren Australientraum bei Didgeridoomusik aus dem Radio. Reifenpanne bei menschenfeindlichen Temperaturen von 40 °C mitten im Nichts, ohne Handynetz und ohne Aussicht auf schnelle Hilfe. Bleibt die Frage: Reifen wechseln und hoffen, dass der neue durchhält bis zum Ziel (noch 150 km, ca. 3 Stunden) oder weiterfahren bis der geplatzte in seine Einzelteile zerfällt (das ist hier wohl so üblich, denn etliche Fetzen von Autoreifen säumen alle paar Meter die australischen Straßen). Wir entscheiden uns fürs Wechseln und fahren langsam und vorsichtig weiter.

So kommen wir heil auf der Farm von Bill und seiner Frau am Mount Augustus an, bauen unser Zelt auf und genießen den Blick auf den größten Monolithen der Welt, während die Sonne den Abendhimmel in malerische Rottöne taucht. 

Am nächsten Tag begutachtet Bill skeptisch unsere geplante Route und ist sichtlich erleichtert, dass unser Weg nicht weiter nach Norden führen soll. Denn hier, so sagt er, treffen wir wirklich auf niemanden um diese Jahreszeit. „Wenn euch auf diesem Weg etwas passiert, kann euch niemand helfen.“ Er will uns nicht ohne brauchbaren Ersatzreifen weiterfahren lassen und nimmt kurzerhand den kaputten Reifen mit, um das 5cm Loch am nächsten Morgen um 05:00 Uhr notdürftig zu flicken. Er erzählt uns auch, dass hier schon so mancher Reisende mit drei kaputten Reifen ankam. Wir vereinbaren noch einen „Plan B“: wir werden uns in zwei Tagen (spätestens 15:00 Uhr) von der nächsten Siedlung mit Handyempfang zu melden. Falls nicht, würde Bill die Polizei verständigen und uns suchen lassen.

Zurück in Canarvon, an der Küste, legten wir einen 3-Tages-Stopp ein, um unser Auto und unsere Sachen zu säubern und zu reparieren. Das ist immer mal wieder notwendig. Der rote Staub kriecht in jede noch so kleine Ritze, bedeckt den Zeltinnenboden, Klamotten, Geschirr – einfach alles. Ob sich das Wischen und Fegen lohnte, bleibt dahingestellt, da der rote Staub sich mit dem weißen feinen Sand der Küste abwechselt und ebenfalls kein Halten kennt. Selbst Augen, Nase und Ohren sind betroffen. Immer mal wieder reparieren wir auch das ein oder andere Kinderbuch, welches Willi vorsätzlich auf zu langen Autofahrten Stück für Stück zerlegt. Wir bekamen einen neuen Reifen, mussten uns um gebrochene Zeltstangen kümmern, Mückennetze flicken, Wäsche waschen und das ein oder andere Stoffstück nähen. Fine und Willi hatten diesmal besonders viel Platz zum Toben auf unserem fast leeren, schattigen Campingplatz mit Pool. Canarvon war so gesehen eine gute Mischung aus Erholung, Bildung, Spielen, Spaß und Erledigen notwendiger Aufgaben. Wenn man 35°C aufwärts als angenehm empfindet.

Bis hier hin legten wir ca. 3000 km zurück (inkl. Abstecher in Nationalparks). Von Perth aus ging es immer an der Küste entlang Richtung Norden. Die Landschaft und die täglichen Begegnungen mit den ungewöhnlichsten Leuten und ihren Geschichten sind das was wir hier so lieben. Doch es wäre zu viel an dieser Stelle. Daher gönnen wir euch eine Lesepause und lassen Bilder sprechen.

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Kommentare: 4
  • #1

    Lorenz Petzoldt (Samstag, 12 Dezember 2015 09:01)

    Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn. Die Bilder sind so schön. Sie können wahrscheinlich nur andeutungsweise das wiedergegeben, was ihr erlebt habt. Wir sind froh, dass es euch gut geht. Viel Spaß und vor allem viel Glück auf eurer weiteren Reise. Bleibt gesund!

  • #2

    Martin P. (Samstag, 12 Dezember 2015 12:50)

    Bitte erinnert Euch daran, was Ihr mal gelernt habt: W-O-L-K-E !!! Dann klappt das bestimmt auch weiterhin mit den ganzen tollen Eindrücken und Erlebnissen. Viel Glück und alles Gute weiterhin!

  • #3

    Jens und Juli (Mittwoch, 16 Dezember 2015 23:30)

    Ich schließe mich dem Wahnsinn an! Unglaublich schöne Bilder und Eindrücke! Macht weiter so und die Kinder genießen die Zeit - ein Traum so etwas gemeinsam zu genießen! Ich bin schon gespannt auf die Auswertung nach eurer Reise, die dauert dann bestimmt auch ein Jahr :-) Eine Vortragsreihe ist dann jedenfalls Pflicht - eine schöne Weihnachtszeit für Euch und hohoho!
    LG aus Leipzig, Juli&Jens&x

  • #4

    Daniela (Montag, 28 Dezember 2015 11:33)

    Hallo ihr 4 und wieder einmal war es spannend eure Geschichte zu lesen was ihr erlebt habt.Ich suche mir jedesmal eine ruhige Ecke zu Hause und versinke in euren Abenteuern.Es ist einfach spannend und schön das zu lesen.Ich bin jedes mal begeistert und kann es kaum erwarten auf das nächste von euch zu lesen.wenn ihr wieder zu Hause seit müst ihr ein Buch schreiben über die Reise die ihr erlebt habt.Ich wünsche Euch auf Eure Reise weiterhin viel Glück und Gesundheit.Genießt die Zeit die ihr als Familie habt.